Monatstexte Archiv

Monatstext September 2025
Hoffnung: Ein zerbrechlicher Sommer fährt seine Lanzen aus. Gladiolen stehen in Reih und Glied, winken mit Farbe, wanken im Sturm. Wir stellen den Fuss auf Himmelsleitern, die nirgendwo mehr Halt finden. Wir schwanken, geben dennoch nicht auf, denn trotz dem Dunkel, das über uns fiel, hat etwas Hohes in uns überlebt. Es kratzt mit unsichtbarem Strahlenkranz das tiefe Blau hinter Wolkenschleiern und bald schon springt ein hellstes Weiss hervor, umhüllt uns sanft. Maryse Bodé/Foto: St. Michaels Mount/UK
Monatstext für August 2025
Die Ulme: Wir sassen unter dem Baum der guten Gesinnung. Wir hatten unendlich viel Zeit. Wir atmeten den Duft des nahen Maquis, lauschten der donnernden Brandung und über unsere Herzränder schwappten die türkisblauen Wasser. Wir liessen den Blick schweifen und wurden wie das Starengrüppchen im Sonnenuntergang hochgeworfenes Licht. Maryse Bodé
Monatstext für Juli 2025
Nachtlied der Amsel: Eine Fledermaus kreist. Ein Kraftplatz legt sich neu im Maquis an. Von fern ein Stampfen, Trommeln, Singen. Unter sich rundendem Mond versammeln sich Urvölker, rücken im Tranceschritt heran. Die Luft beginnt zu flimmern. Neues Netzwerk legt sich an, holt uns heim in etwas, das mit uns ins Summen der Sterne will. Maryse Bodé/Corse
Monatstext für Juni 2025
Da sind mir Gärten mit Lichtoasen auferstanden, haben mir ein neues Jetzt in die Blutbahnen gelegt. Auf verschlungenen Pfaden taste ich mich mit ihnen ins Ausufernde vor. Bin plötzlich Wellenbewegung, ein Meer mit Blütensaum und auch entfesselte Brandung, unter sturmgepeitschten Bäumen, die Sonne als Kompass im Puls. Copyright Maryse Bodé
Monatstext für Mai 2025
Tapis volant: Unter dem Gewölbe des Lichts, wo sich Zeit und Raum ans Universum lehnen, dort zwischen tiefsten Tiefen, höchsten Höhen werden wir entblösst, in neuem Licht gebadet und vom Kosmos ausbalanciert. Sonnenton entreisst uns immer neu der Illusion aus Trennung und Schmerz und im Staunen legt sich uns heilend Heiliges in die Tauwiesen: Tanzteppich multidimensional. Maryse Bodé
Ostern 2025
Hingabe ans Wunder: Am Tag nach dem Sturm weisst du besser wer du bist als zuvor. Doch es taugt auch dann nicht die Bitte, das Geheimnis zu verstehen. Es taugt nur der Wunsch nach Hingabe ans Wunder aus Licht & Liebe, der Wunsch das Vertrauen zu mehren und das Heilende, das Erhellende, das Verzeihende und das Versöhnende. Es taugt der Wunsch nach Verneigung ins Urlebendige. Und es taugt die Bitte, dass das Geheimnis immer neu in dir auferstehe, um das Verstehen zu mehren und das Wort des Lichts zu mehren das Liebe heisst, bis es deine Herzkammern flutet und du selbst das Sonnenhafte bist im Sturm das Sanfte in den Wildwassern des Lebens, das heilend Heilige unter den Baldachinen der grossen Bäume. Maryse Bodé
Monatstext für April 2025
Es gibt die steinigen Wege und es gibt die Blütenwege. Es gibt die an Dürre zerbrochenen Wälder und es gibt die summenden Blütenbaumkronen. Es gibt das Mit den Zähnen knirschen und das Stakkato des Spechts in seinem Hoheitsgebiet. Es gibt das heilende Herzfeuer tief innen und das Kanonen-feuer von fern. Es gibt das Wippen der Bachstelze und das auf Grund gelau-fene Boot im durstenden Fluss. Es gibt das Blütenauge an seinem Stamm-platz und das weinende Auge auf der Flucht. Und in all dem blüht ein Wort, das mit den Bienen auf Futtersuche fliegt und über Herzränder wächst: Hoffnung, hope, espoir. Maryse Bodé
Monatstext März 2025
Frühlingseinladung: Das Unterholz verlassen, das Winterschweigen und mit ersten Buschwindröschen am Waldrand in etwas hinüberlauschen, das wie Hoffnung daher kommt, wie blauer Wind aus unbeschwerten Tagen. Sich auf vergrasten Wegen auch einmal ins Ungewissen hinüber verneigen und mit dem Ruf des Stars Einladung sein an Menschen die wir uns mit Frühling näher ans Herz holen. Wie auf Geheiss ferner Stimmen die Enge in neues Blühen verwandeln, um auch in Chaoszeiten gemeinsam neues Sein zu streuen. Verschlüsselte Botschaften wachsen uns bereits an den Himmel und regnen sich über uns aus. Maryse Bodé
Monatstext für Februar 2025
IMBOLC: Grosse transformative Kräfte wachsen uns aus der Wintertiefe ins Herz, lassen uns höher schwingen. Lichtatem verbindet sich mit neuen Schritten in Achtsamkeit. Und bald sind auch Blütenmeere neu in uns erwacht, erschaffen Zonen aus Lockruf und Antwort. In hellhörigem Schauen nähren sie uns wunderbar. Sonnenfunken rieseln herab, legen sich uns in Umarmungen, die befreien. In unserer Verneigung verweben sich Gegensätze zu Tanz im All-Einen. Und immer neu hältst du deine Hand in meine Richtung und ich halte meine Hand in deine Richtung und irgendwo fällt Licht auf Atem, wird blauer Fluss, grosser Strom. Maryse Bodé