2. Monatstext für September 2018
Monatstext für September 2018
Monatstext 2 für August 2018
Monatstext für August 2018
VIVA-Monatstext für Juli 2018
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Maimonatstext 2
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Monatstext für April 2018
Für Ostern 2018
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Weihnachtstext 2017
Advent 2017
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Monatstext 2 für Oktober 2017
Monatstext für Oktober 2017
Text zum Herbstbeginn 2017
Monatstext für September 2017
Monatstext für August 2017
Monatstext Juli 2017
Pfingsttext 2017

Hoffnungsflügel Ultramarin

Schon länger keine Luftsprünge mehr
auch nichts Getanztes
aber im Abendgarten
Himmelhochjauchzendes
das mit dem Sonnenuntergang
in tragende Stille übergeht

Unter der Birke
ein Bett aus blauen Lobelien
Daneben Hostalanzen
zum Schutz der Nachtkerze
deren zartes Gelb bald
zu Licht verblüht

Lavendel winkt mit Essenz
feierliches Violett 
geht unter geschlossenen Lidern
über in ein duftendes Spätsommerfeld

Du bist da Hoffnungsflügel
Ultramarin von jenseits der Meere

Text & Bild: Maryse Bodé
 

Plötzlich nachts
dieses seltsame Gehen
zwischen Nebeln
in denen Blitze zucken
Ein Balanceakt
zwischen Hell und Dunkel
Unten grelle Sonne von
dunklen Wassern gespiegelt
oben blühende Erde zerfetzt
Alles scheint Kopf zu stehen um
sich im nächsten Augenblick wie
in Fieberträumen herumzuwerfen
Und ganz ohne ein Wort
oder Gebrüll taucht Angst auf
und die Frage in was erwachen
auf welches Land die
Lichtfüsse setzen
wenn ein Fluchtgedanke sich
breit machen will

Text: Maryse Bodé
Bild:  Manuel Kleinert 1993

Heute Regen herbeigebetet
Die schwarze Königskerze 
schiesst ihre mit Gelb
bestückten Antennen wie Pfeile
in den Blütenhimmel
steht mit mir auf Zehenspitzen
wenn der Starentrupp die Schwüle 
mit rauschendem Flügelschlag
aufplatzen lässt, als wäre
die bleierne Stille eine überreife 
Samenkapsel, die bald 
über aller Dürre zerplatzt und 
etwas weckt, das
lange verschüttet schien:
die Verneigung vor dem Regen
und allem, was uns mit Blüten nährt

Maryse Bodé

In den Bäumen die Sprache
des Universums lesen
Ganz Ohr sein für das was
unsichtbar zu uns spricht
Das erste sanfte Lied der Amsel
wischt den Blüten die Nacht
aus den Augen

Text: Maryse Bodé
Bild:  Manuel Kleinert 1986

Komm
Komm in mein Zirkuszelt Leben.
Wir lassen die Tiere tanzen,
werfen uns eine Leichtigkeit hoch,
schnüren die feinledrigen Akrobatenschuhe,
springen von der Artistenpyramide
hinauf aufs Seil, greifen zur Balancierstange 
als Ausgleich und Halt fürs Wunder,
überwinden den leeren Raum,
lassen die Luft vor Spannung flimmern,
jeder Schritt ein Beifall an den Äther,
jeder Schritt eine Bitte ans Licht,
vor Augen immer den einen
goldenen Herzkern,
der vor dem Absturz schützt.
Vor Augen immer ein Lächeln von fern
unter der Sternenkuppel.

Text: Maryse Bodé / Bild: Serge Kleinert 1996
mit Textfragmenten aus dem Buch Nelly N./Leonor Gnos

 

Dreiklang, Vierklang
und immer auch Einklang
Wir stehen mit neuer Weite
im Jetzt, im Summen
Über uns Holunderduftteller
schwebend und unter frohem
Fuss kleine Blüten gestreut
Pfingstrosentanz ist da
leuchtende Leichtigkeit
und in allem ein Herzstück
das ins Geheimnis lockt

Text: Maryse Bodé
Leporello: Alice Buchmann


 

Helle Stirn

Es prasselt Sonne vom neuen Grün gefiltert
und Birkensaft auf die Köpfe
Da wird die Stirn hell wie ein Fest
und das Herz geht Wege wo sich Schlangen
und kleines Getier auf Mooskissen räkeln
Weissdorn rückt als summender Blütenkosmos
herbei, hüllt Nacktheit und Verletztes ein
Neue Rhythmen wachsen aus duftender Erde
in die Füsse und im neuen Werden sind wir
Tanz weit über uns hinaus

Text & Bild: Maryse Bodé
 

Nacht, viel Nacht, Nachtmensch,
Nachttier, Nachtstille und die Nacht wiegen
Erinnerung, eine ferne Glocke schlägt Eins
und was von Salve und Sanctus geblieben ist
neigt sich uns auf Nachtinseln zu
Nachtwind wölbt den Blütenvorhang
wo das Wort Heimat blinkt
Ein Tag- & Nacht-Wort wie ein Waldtier
wild, scheu und stark, auf der Lauer,
auf dem Sprung mit all den Schichtungen
Konstellationen unerklärlich rundum
In der Früh blitzt im Baum helles Grün,
legt sich uns mit blauem Licht unter die Füsse

Maryse Bodé
Bild: Pipiloti Rist

In ein Frühlingsblau erwachen
in eine Herzsprache, als hätte
noch nie jemand ein Wort gesagt
und das Blühen wäre uns
Nahrung genug in der Stille
Licht atmend neu zu beginnen

Text & Bild: Maryse Bodé

OSTERWENDE

Da tauchen am Horizont
plötzlich neue Städte auf
aus Wolken und aus Licht
und ein Blau fällt ins Grau
grosser Weiten wo Kinder
Sonnenstrahlen zähmen 
zum Spiel und es beginnt
zögernd noch und doch
bestimmt ein Herantasten
an jene Wende wo der
Lichtweg die Dornen- und
Schmerzwege erlöst

Text & Bild: Maryse Bodé

Für Liebende
Himmelsstrom

In deiner bejahenden Bewegung
auf mich zu,  sehe ich mich
in tausendfacher Erscheinung
von Hell und Dunkel
ausser Raum und Zeit gewirbelt
und alles was jetzt spürbar
an sprühendem Licht entsteht
werfe ich über dich und mich
und über uns hinaus
in den Kreis, der in grosser Dimension
Linie ist, auf der wir uns
als Tänzerin und Tänzer
bewegen
als Achse und Rad zugleich

Maryse Bodé
Bild: Manuel Kleinert/Mudam Luxembourg

Aurum

Mit dir durch die weisse Stille
unter Bäumen gehen
Aus Azur wächst uns Gold 
blütenleicht ins Herz

Hellhörig atmen wir es ein
sprechen es als Sonnenwort
über den Sturm der Zeit
Es verändert die Richtung
unserer Schritte  

Text: Maryse Bodé
Bild: Manuel Kleinert 1995

 

Geheimnis

Es kann so oder so sein. Es kann alles sein
oder nichts von all dem. Es kann Alles-in-Allem
sein und doch nichts von all dem allzu Vielen
nichts von Frohlocken oder so. Es kann düster
erscheinen und doch aus grauem Nebel ein Blau
gebären, wie aus Himmelsangora gestrickt
Es kann Leere sein und doch unbändige Fülle
Es kann im Herz tanzen und gleichzeitig tiefe Stille
sein und Schweigen. So oder so: Es wird immer noch
ganz anders sein als gedacht …
Soso hast du gesagt, gelacht

Text & Bild: Maryse Bodé

 

Wüstenzelt
In sich einen Ort tragen
einem Wüstenzelt gleich
Darin im Sturm geborgen ein LICHT
aus Sternenmeer und Dünenwelt
Dort findet sich unter Sichelmond
gemächlichen Schrittes
eine Karawane ein, bringt
in tiefer Verneigung
dem Kosmischen Herz
Gold, Weihrauch und Myrrhe dar
Und in die tiefe Stille der Nacht
senkt sich als Lobpreisung
etwas Hohes das Wunden salbt
und summend öffnen sich
uns verborgene Felder
Ein Lächeln blüht
Es heilt

Maryse Bodé
Bild: Fritz Waser
 

Winterzeit

Sei Feuer
wärme

Sei Stern
erhelle

Sei Herzlicht
umarme

Sei Ruf
dass Antwort sein kann

Sei ganz Ohr
dass Flüstern gehört werde

Sei tröstend
wo Schmerz ist

Sei bewegt
dass Tanz sich erfinde

Sei wach
wo Verhärtung droht

Sei Sturm
wo die Welt einengt

Sei Leere
dass Fülle einströmen kann

Vor allem aber
sei dir treu

dann darf auch Winter sein
Einkehr
Stille

Text & Bild
Maryse Bodé

Wintertanz

Treibende Frühlingskraft ist versiegelt
leuchtender Sonnengesang verschenkt
Jetzt können wir in Stille Einkehr halten
und erfahren was eiskalte Stürme
in dunklen Nächten sind
Auch das ist Leben, nicht Resignation
Und plötzlich kreist das innere Bild im Staunen
schnell und immer schneller, wird äussere Realität:
Ein Mensch kommt uns durch Nebel entgegen
gebündeltes Licht unter dem Arm
Winterleuchten springt über, bricht Schweigen
Wintertanz beginnt

Text & Bild: Maryse Bodé

 

Im Urklang neue Heimat
schwebend noch
Ich setze mich hinein
wie in den Leib einer Mutter
deren Herz in meinem
Rhythmus schlägt
Staune
wie still es in mir ist
während um mich
Verwandlung tobt
und mir
ein kleiner Flügel wächst
ein inneres Ohr
das Flüstern in allem hört
eine Stimme von fern

Text: Maryse Bodé
Foto: Skulptur R. Brem

Unberührbar

Stell dir vor
wir würden plötzlich
unsere Zerbrechlichkeit aufgeben
wären über alles erhaben
es gäbe in uns
keine Verletzbarkeit mehr
und keine Angst vor Verlust

Stell dir vor
wir wären
ganz in uns aufgehoben
ohne Tränen 
und ohne Träume
ohne sanftes Anlehnen an ein Du
ohne Hinübergleiten in ein
schöpferisches Wir

Stell dir vor
wir wären mächtig
in unserem Menschsein stehend
unberührbar
kurz vor dem Fall
ins gähnende Nichts

Text & Bild: Maryse Bodé
Aus 'Licht & Schatten im offenen Kreis'
 

Komm Kind
du Klang
Sternenlied
du bist uns
mit innerem Singen
und Schwingen
neue Weite
in den offenen Armen

Text: Maryse Bodé
Bild: Manuel Kleinert

 
 
 
 
Ein schwarzer Kormoran überfliegt uns
Ein Graureiher erhebt sich aus dem Stoppelfeld
Rundum tiefe Stille, vom Kelch der Herbstzeitlosen getrunken
Text & Bild: Maryse Bodé

Lichter in der Nacht

Beziehung treibt Lichter in die Nacht
entreisst uns dunkler Melancholie
Ein paar Klänge von fern, Trommelschlag
Tango, Trance und schon hilft ein
ariadnedünner Übergang
die Schattenzonen neu zu lesen

Dann ist nah beim Abendflüsterbaum
alles Grelle zum Schweigen gebracht
Aus Rosenfalten wächst wie eh und je
etwas wie ein Lächeln, ein Hoffnungstirili,
während die Katze mit Glückskralle
Schicht um Schicht Herzräume öffnet
Unter rundem Mond leuchtet ihr
Raubtierzahn edel weiss

Text & Bild: Maryse Bodé
 

 

Immer die Hoffnungsgedanken 
mit den guten Wünschen und den 
vielen Formen des Lächelns
unterwegs von Taginsel zu Taginsel
wie Schiffe unterwegs, mit an Bord
die Tiere, wie auf einer Arche
die allen Stürmen trotzt
immer unterwegs, das Herz 
ein Sende- und Empfangssystem
auf der Suche nach Anlegestellen 
für das Wort des Sich-Wiederfindens
um in einem stillen Hafen
an Land zu gehen, mit all dem Licht
das uns umfliegt, als wäre es 
der erste Tag einer neuen Schöpfung

Text & Bild: Maryse Bodé
Corse Juli 2017

Lobpreisung ans Licht

Baumsilber, vom Wind gekämmte Wiesen
Libellengrün im Zickzack über einen See,
der Schwarzblau spiegelt, es zur Entfaltung
bringt, bis unser Sprung in den
WasserStilleRaum Wellen wirft

Wir tauchen auf und wieder ein, um uns kurz,
ganz kurz in der Schweigezone einer leuchtenden
Aquariustiefe im GanzSein zu erfahren, schwebend,
umfangen von etwas Seidensanftem, wo alles
Lobpreisung ist ans Licht und das was in uns stört
schweigt

Text & Bild: Maryse Bodé

Herzwort

Neues Licht verändert die Gangart, den Lauf der Dinge,
und wir, vom Himmelsprinzip gehalten, von Welt bewegt,
werden von schwebender Leere durchs Lebensrad gedreht,
durch den magischen Kreis, bis wir furchtlos über Licht und Schatten, Feuer und Asche ins Herzwort gehen, um als
Gefäss den Sonnenton zu tragen, den türkisblauen Wind,
der mit den Vögeln in den Bäumen wohnt.

Text: Maryse Bodé
Bild: Manuel Kleinert