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Maimonatstext 2

Frühe Nacht, spätes Gold.
Darin etwas das schweben will.
In einer nahen Ferne bellt ein Hund,
spannt den Bogen von damals zu heute.
Dazwischen die Bewegung der Schafe
im sanften Klang der Glöckchen.
Etwas das kostbar war und nie vergeht
hebt die Flügel, kommt mit Erinnerung
und leisem Schauder aus dem Schweigen
der Bäume. Stille holt tief Atem.

Text & Bild: Maryse Bodé

An fremden Küsten
das Ausufernde belauscht
Auch hier auf grünem Wassertuch
Wolkenbilder gespiegelt
und Goldpunkte, geheimnisvoll
in die Stromschnellen gemalt
als wäre zwischen Hell und Dunkel
eine Lichtsymphonie
mit unsichtbarem Dirigent

Maryse Bodé
 

 

Ankommen

Mit verblüffender Lust am Fremdsein
halten wir uns Aug in Aug mit dem Berg
all das geduckt Lauernde
einengend Altvertraute vom Leib
Erkennen
unter dem Liederbaum nah beim
alten Klostergemäuer Feierliches
im Abendgeläut

Im Tal prescht derweil bedrohlich
zwischen schroffer Felswand
und schwarzem Koloss
eine grell blitzende Autoschlange vorbei
Doch wie zum Schutz hüllen uns bald
lichtvoll frohe Gesänge ein

Zwischendurch erinnert so manches
an den Sonnensegen des Franziskus
an Wanderlied und Tiere
Und staunend nehmen wir
ohne zu zögern seine Schafe auf
weiden sie in Sanftmut hoch über dem Tal
am neuen Ort daheim 

Innere Bewegung

Dazu gehören
aber nicht um jeden Preis
Ein stückweit fortgehen
aber nicht für immer
Das alte Gleis verlassen
aber nicht entgleisen
Schweigen
aber nicht ohne Aussage
In Offenheit da sein
aber das Geheimnis
der Mitte wahren
Aufstrebender
Lebenslichtfunke sein
aber auch Rückkehr
zu den Wurzeln
Klang sein im eigenen Kreis
aber auch grosse Stille

Maryse Bodé
Bild: Beatrice Vogler
​​​​​​​

Von wo Himmel,
von wo Gold
bringt Gold Himmel
oder Himmel Gold
Ausdehnung
Kontraktion
Purifikation
War am Anfang das Nichts
Und dieser Anfang Ewiges
Darin das Namenlose
wie ein Schlund
von dem wir wie Qualm
formlos im
kreisenden Licht
eingesaugt und ausgestossen
werden
Immer im Fortgehen und
im Werden daheim

Maryse Bodé
 

Manteltaschenwörter

In den Regenbäumen, in den Windsträuchern,
das Flattern durchnässter Wörter. Hinter ihnen
wieder Wörter und wieder, tunnellange Wörter
ohne Schatten im Grau, wie Vögel die ihr
nasses Gefieder schütteln

Amsel-Englischwörter, Bachstelzenwörter
fliegen auf, mir zu oder auf und davon.
Hie und da steck ich mir eins davon
in die maigrünen Manteltaschen, betaste es, 
trage es den Berg hoch, um es wie eh und je
dem Licht darzubringen, in dem es wurzelt.

© Maryse Bodé
Bild: Gabriella Furrer/Neues Dialogprojekt 2020

Frühlingstrostblumen
Für einmal Hoffnungslosigkeit
in eine Blechbüchse weggepackt auf der
schwarz und golden Nespresso steht
Ein dona nobis pacem und 
ein paar Stossgebete dazugelegt
auch ein langgezogenes Ave
und ein Ringelreihenliedchen beigefügt
Nach dem Sturm im Herz und Momenten
einer undefinierbaren Bedrohung 
die Büchse geschüttelt, 
einen Spalt breit geöffnet
Heraus quillt ein Wölkchen 
aus Frühlingstrostblumen
ein blütenzartes Gebilde das sich 
mit grosser Leichtigkeit erhebt als Klang 
im Raum. Auf der Treppe sind in der Früh
schon Rosen gestreut

Copyright Maryse Bodé

Frühlingseinladung

Das Unterholz verlassen, das Winterschweigen
und mit ersten Buschwindröschen
am Waldrand in etwas hinüberlauschen
das wie Hoffnung daher kommt
wie blauer Wind aus unbeschwerten Tagen

Sich auf vergrasten Wegen auch einmal
ins Ungewissen hinüber verneigen
und mit dem Ruf des Stars Einladung sein
an Menschen die wir uns mit Frühling
näher ans Herz holen

Wie auf Geheiss ferner Stimmen
die Enge in neues Blühen verwandeln, um auch
in Chaoszeiten gemeinsam neues Sein zu streuen
Verschlüsselte Botschaften wachsen uns bereits
an den Himmel und regnen sich über uns aus

Text & Bild: Maryse Bodé

Schneeweisschen & Rosenrot

Heute Bestrahlung pur. Sonne leckt die Nebel auf, streut Funken in Nester. Winterbaumschnitt glüht. Reisig summt. Schneeweisschen lichtet am Fuss der Bäume Moder, teilt ihre Wintergeheimnisse mit ersten Blüten.  Auch das Schneeglöckchen plustert sich wie die Meise auf, trinkt das Flimmern in der Luft.

Ich erlebe wie am ersten Tag der Schöpfung Trippelspass mit Hühnern, immer nah am Urgrund scharrend. Geh dem Sonnen-Lockstoff auf die Spur  -  bin Ruf  -  für einmal Rosenrot, die dem Bär Zauber und Fluch aus dem Pelz zu klopfen wagt.

Und es ist wie mit allem Geheimnisvollen: Es hüllt sich auch bei Verriss und Weltsturm in Sternentuch ein, von Sanftmut vergoldet. 

Text: Maryse Bodé
Bild:  Manuel Kleinert 1983

Ein Morgenfrühknistern
in den Himmelsschleiern
Licht fächert sich auf
weckt die Krokusse
Mit Gelb, Lila und
jauchzendem Grün
schiessen sie uns ins Blickfeld
locken Lauschknospen 
aus dornigem Gestrüpp
Rosen haben nie aufgehört
sich neu zu erfinden
auch die Bäume nicht
Noch atmet in ihnen
Himmel und Erde
und etwas unsichtbar Liebendes
treibt auch uns immer neu
Frühlingskraft und Blühendes
ins Werden
streut heilendes Gold
über Weltchaos und Schmerz
Und während sich
in allem was lebt
Hell und Dunkel immer
heftiger umarmen
rauscht uns etwas
geheimnisvoll Heiliges 
als Zuspruch
in die grossen Fragen

Text: Maryse Bodé
Bild: Gabriella Furrer

Helle Nacht

Vor dem Fenster ein
scharfkantiges Bergpanorama
vom Wind entblösst
Reisst mich hoch ins Schauen
Die Nacht hatte den Himmel
über der weissen Landschaft
wie eine Offenbarung geöffnet
hatte mit Stern und fernem Licht
die Bäume mit magischem Grün
angemalt bis das Schwarz
ein phosphoreszierendes
Schimmern bekam, das den Ort
um mich und mein Staunen
allem Altbekannten an
Erinnerung entriss
Von unsichtbarer Hand
in die Wiege der Bäume gehoben
lag ich nackt in funkelndem Weben
Auch am Tag fühlt es sich an
wie Lust auf Neues und frei sein
gebadet in einem Konzentrat
aus Wachsen und Vertiefung
noch unbekannt

Text & Bild: Maryse Bodé
 

Nebelgold

Was stürzt jetzt in den Tag
atmet hinter allem, liegt auf der Lauer,
gibt sich noch nicht zu erkennen?
Hat es Flügel? Hat es Dornen?
Ist es erschreckend oder sanft?
Noch weiss ich nicht, ob es Lichtes ist
oder ganz Schweres,
das uns weit macht und frei.
Doch plötzlich leuchtet Schwarzes
auf Weiss im Nebelgold und ich sehe:
Es wird immer beides sein, das Lichte
und das Schwere, das uns
verwandelt höher nimmt

Text & Bild: Maryse Bodé

 

Lauschzeit

Auf geschundener Erde
einen Raum bewohnen
aus Licht und Stern
Die Bäume darin
neigen sich uns zu und
aus dem goldenen Kern
der Raunächte
wächst die Stimme
verschollener Menschen
und die der Tiere
Etwas Hohes
spricht sich uns zu
ist höher als Himmel
Ein Wort mit Flügeln
im Weltherz erwacht
Hoffnung
Hope
Espoir

Text & Bild
Maryse Bodé

Auch ein Weihnachtsbaum
Ich trete auf die Strasse, biege ein zum kleinen Weg.
Weiter unten locken goldene Kugeln. Ich trete näher.
Durch den Baum geht ein Raunen. Die kahlen Äste
schlagen aus im Raum. Leuchtendgelbe Äpfel halten
an ihnen fest. Ist mir hier Gold zugeneigt, als würde 
es mich locken, mich in der nahenden Dunkelheit
betrachten? Oder bin ich die Betrachterin?
Leiser Schwindel. Metamorphose eines Apfelbaums.
Text & Bild: Maryse Bodé

Frühe Nacht, spätes Gold
Darin etwas das schweben will
In einer nahen Ferne bellt ein Hund 
spannt den Bogen von damals zu heute 
Dazwischen die Bewegung der Schafe
im sanften Klang der Glöckchen
Etwas das kostbar war und nie vergeht
hebt die Flügel, kommt mit Erinnerung
und leisem Schauder
aus dem Schweigen der Bäume
Stille holt tief Atem

Text & Bild: Maryse Bodé 

BIN wieder
verInnerLICHT

Losgelost 
aus festem Gefüge

Entfesselt
WEITER gegangen

IrgendWohin
NirgendWohin

Text & Bild: Maryse Bodé

Nun schon Sommerabschied, Licht wie Seide, lange Tage am See. Wir sitzen im Wurzelwerk alter Bäume, über uns Buche, Zeder, Eiche, Eibe und das kleine Rot der Stechpalme. Neben uns Sprung, Salto, Kopfstand kleiner Mädchen und immer noch die Füsse im See, in der tiefblauen Wellenweite, wo sich Goldschimmer spiegelt. Ein grünes Hoffnungsboot fährt aus dem Schatten, den die schroffe Felswand wirft. Auch wir tauchen die Ruder ein, fahren zu neuen Inseln, wo der Kormoran Zukunft in den Flügeln hat und das plötzlich aufblitzende Türkis eines Eisvogels das Alles-in-Allem leuchten lässt. Am Ufer sprechen wir das Wort des Sich-Wiederfindens, nehmen die zeitlosen Steine in die Hand. Sie erzählen von uraltem Wissen jenseits von Werden und Vergehen, von Klang, der Ur-Wort ist und in uns singt.

Text & Bild: Copyright Maryse Bodé 

Hoffnungsflügel Ultramarin

Schon länger keine Luftsprünge mehr
auch nichts Getanztes
aber im Abendgarten
Himmelhochjauchzendes
das mit dem Sonnenuntergang
in tragende Stille übergeht

Unter der Birke
ein Bett aus blauen Lobelien
Daneben Hostalanzen
zum Schutz der Nachtkerze
deren zartes Gelb bald
zu Licht verblüht

Lavendel winkt mit Essenz
feierliches Violett 
geht unter geschlossenen Lidern
über in ein duftendes Spätsommerfeld

Du bist da Hoffnungsflügel
Ultramarin von jenseits der Meere

Text & Bild: Maryse Bodé
 

Plötzlich nachts
dieses seltsame Gehen
zwischen Nebeln
in denen Blitze zucken
Ein Balanceakt
zwischen Hell und Dunkel
Unten grelle Sonne von
dunklen Wassern gespiegelt
oben blühende Erde zerfetzt
Alles scheint Kopf zu stehen um
sich im nächsten Augenblick wie
in Fieberträumen herumzuwerfen
Und ganz ohne ein Wort
oder Gebrüll taucht Angst auf
und die Frage in was erwachen
auf welches Land die
Lichtfüsse setzen
wenn ein Fluchtgedanke sich
breit machen will

Text: Maryse Bodé
Bild:  Manuel Kleinert 1993

Heute Regen herbeigebetet
Die schwarze Königskerze 
schiesst ihre mit Gelb
bestückten Antennen wie Pfeile
in den Blütenhimmel
steht mit mir auf Zehenspitzen
wenn der Starentrupp die Schwüle 
mit rauschendem Flügelschlag
aufplatzen lässt, als wäre
die bleierne Stille eine überreife 
Samenkapsel, die bald 
über aller Dürre zerplatzt und 
etwas weckt, das
lange verschüttet schien:
die Verneigung vor dem Regen
und allem, was uns mit Blüten nährt

Maryse Bodé

In den Bäumen die Sprache
des Universums lesen
Ganz Ohr sein für das was
unsichtbar zu uns spricht
Das erste sanfte Lied der Amsel
wischt den Blüten die Nacht
aus den Augen

Text: Maryse Bodé
Bild:  Manuel Kleinert 1986

Komm
Komm in mein Zirkuszelt Leben.
Wir lassen die Tiere tanzen,
werfen uns eine Leichtigkeit hoch,
schnüren die feinledrigen Akrobatenschuhe,
springen von der Artistenpyramide
hinauf aufs Seil, greifen zur Balancierstange 
als Ausgleich und Halt fürs Wunder,
überwinden den leeren Raum,
lassen die Luft vor Spannung flimmern,
jeder Schritt ein Beifall an den Äther,
jeder Schritt eine Bitte ans Licht,
vor Augen immer den einen
goldenen Herzkern,
der vor dem Absturz schützt.
Vor Augen immer ein Lächeln von fern
unter der Sternenkuppel.

Text: Maryse Bodé / Bild: Serge Kleinert 1996
mit Textfragmenten aus dem Buch Nelly N./Leonor Gnos

 

Dreiklang, Vierklang
und immer auch Einklang
Wir stehen mit neuer Weite
im Jetzt, im Summen
Über uns Holunderduftteller
schwebend und unter frohem
Fuss kleine Blüten gestreut
Pfingstrosentanz ist da
leuchtende Leichtigkeit
und in allem ein Herzstück
das ins Geheimnis lockt

Text: Maryse Bodé
Leporello: Alice Buchmann


 

Helle Stirn

Es prasselt Sonne vom neuen Grün gefiltert
und Birkensaft auf die Köpfe
Da wird die Stirn hell wie ein Fest
und das Herz geht Wege wo sich Schlangen
und kleines Getier auf Mooskissen räkeln
Weissdorn rückt als summender Blütenkosmos
herbei, hüllt Nacktheit und Verletztes ein
Neue Rhythmen wachsen aus duftender Erde
in die Füsse und im neuen Werden sind wir
Tanz weit über uns hinaus

Text & Bild: Maryse Bodé