Kulturkloster Altdorf

Kulturkloster Kraft der Worte und der Klänge zur Eröffnung 
Im Wandel der Zeiten. So haben die zahlreichen Besucherinnen und Besucher Haus und Garten neu erlebt, begleitet von Farbe, Klang und Wort. Das Kulturkloster ist ein Ort, um das Alte zu würdigen und für das Neue offen zu sein. 
Josef Arnold im Chor der Klosterkirche und vor dem Ad-hoc-Chor des Kulturklosters Altdorf. Er überbringt die Grüsse des Urner Regierungsrates. Foto: Erich Herger

Als kehrten die Kapuziner zurück, einstimmig, unbegleitet, als gesungenes Wort Gottes. Doch es waren Sängerinnen und Sänger eines Ad-hoc-Chores unter der Leitung von Ruedi Zemp, die am Samstag, 18. September, die Klosterkirche betraten und im Chor Platz nahmen. Es war die Einstimmung zu einem besonderen Chorkonzert und zur aussergewöhnlichen Lesung mit Maryse Bodé. Es war der Beginn der Geburtsstunde des Kulturklosters Altdorf. 
Die Geburtsstunde
Wendelin Gisler begrüsste die zahlreichen Besucherinnen und Besucher, sprach die Gedanken aus zum Ort für Kreativität, Lebenssinn und Stille, zum Wandel, zum Kulturkloster. Das ehemalige Kapuzinerkloster sei wie das Telldenkmal ein Wahrzeichen von Altdorf. Josef Arnold überbrachte die Grüsse des Regierungsrates.Auch der Chor sang zum Wandel der Zeiten – zunächst Werke der Gregorianik, dann Madrigale aus dem 16. Jahrhundert und schliesslich Chorsätze aus dem 20. Jahrhundert. Dazwischen erklang Poesie von Maryse Bodé. Seit 1974 lebt sie als freischaffende Übersetzerin, Schriftstellerin und Kursleiterin für experimentelles Schreiben im Kanton Nidwalden. Inspiration für ihre Gedichte holt sich die gebürtige Luxemburgerin an Kraftorten. Hauptsächlich findet sie diese in der Natur, wo sie auch auf Farben und Licht als weitere Energiequellen trifft. Ihr Zuhause aber ist Stans. Das ist für sie ein wesentlicher Ort der Inspiration. Sie spielt mit den Worten, lässt sie in der Klosterkirche erklingen, tanzen, verschwinden. Und zum Schluss hielt Eduard Indermaur noch ein Wort bereit: Danke!
Die Geburtstage
Zu den «Tagen der offenen Tür» gehörte am Freitagabend, 17. September, auch ein Konzert von Myrtha Albrecht-Indermaur (Violine), Martin Albrecht (Trompete) und Carina Walter (Harfe). Am Samstag und Sonntag, 18. und 19. September, konnten die Ateliers der Initiantinnen und Initianten des Kulturklosters eingesehen werden: Steinhauen bei Wendelin Gisler, Musiktherapie bei Verena Gisler-Davidshofer, Wollefärben mit Pflanzen bei Eduard Indermaur und bei Margrit O. Indermaur Gestalten mit naturgefärbter Wolle und Seide. Dazu boten Verena Gisler-Davidshofer und Margrit O. Indermaur Workshops an. Aus der Klosterküche wurde Feines serviert. Abgeschlossen wurde die Eröffnung des Kulturklosters mit einem Gottesdienst zum Gedanken «Farbe – Klang – Form», zelebriert von Pfarrer Arnold Furrer, mitgestaltet auch von der Impulsgruppe der Klosterkirche.
Wachsen und entwickeln
In den Mauern des ehemaligen Kapuzinerklosters führt Wendelin Gisler eine Homöopathiepraxis für Menschen und Tiere. Eduard und Margrit O. Indermaur wohnen im Kulturkloster. Die Räumlichkeiten im Kulturkloster Altdorf und in der Klosterkirche können auch für persönliche Anlässe gemietet werden. Externe Kursveranstalterinnen und -veranstalter können sich für ihre Seminare ins Kulturkloster einmieten. Geeignet sind Kurse im künstlerisch-spirituellen Bereich. Die Räumlichkeiten des Klosters sind sanft renoviert worden. Klösterliche Qualitäten wie Stille und Klarheit sind erhalten geblieben. Das Kulturkloster Altdorf bietet Besucherinnen und Besuchern den optimalen Rahmen für Einkehr und Besinnung. Die grosszügige Umgebung mit ihren Terrassengärten und die südliche Atmos-phäre laden zum Verweilen ein und wirken inspirierend zu gestalterischem Tun. «Eine Neunutzung des Kapuzinerklosters muss sich schrittweise entwickeln können. Es ist uns wichtig, das Alte zu würdigen und uns für das Neue zu öffnen. Wir bewahren das Kloster als einen Ort der Stille, der Besinnung und des Rückzugs. Einfachheit und Klarheit bestimmen unsere Grundhaltung», erklären die Initiantinnen und Initianten. 
Verein der Freunde des Kulturklosters Altdorf
Am Dienstag, 24. August, ist der Verein der Freunde des Kulturklosters Altdorf gegründet worden. Er wird von Wendelin Gisler präsidiert. Weitere Vorstandsmitglieder des Vereins sind: Daniela Arnold, Paula Traxel, Margrit O. Indermaur und Beat Infanger. Der Verein bezweckt die ideelle und materielle Unterstützung aller Tätigkeiten des Kulturklosters Altdorf, die von öffentlichem Interesse sind. Er soll Unterstützung im kulturellen Angebot leisten, zum Beispiel kirchliche Aktivitäten, Konzerte oder Lesungen. «Für ein attraktives kulturelles und kirchliches Angebot bedarf es guter Ideen und fleissiger Hände», erklärt Präsident Wendelin Gisler. «Mitglieder, Gönnerinnen und Gönner sind herzlich willkommen.»
Vom Kapuziner- zum Kulturkloster
Vor gut einem Jahr zogen die letzten Kapuziner von Altdorf weg. Die Korporation Uri baute danach für rund 1,3 Millionen Franken das Kapuzinerkloster zum Kulturkloster um. Die neuen Mieterinnen und Mieter, Margrit O. und Eduard Indermaur, Wendelin und Verena Gisler-Davidshofer, starteten Ende Juli mit ihrem Kursprogramm. Seither erfüllen Musiktherapie, Bildhauerei, Färben und Gestalten mit naturgefärbter Wolle und Seide die Räumlichkeiten. Am Montag, 23. August, übergab die Korporation Uri symbolisch den Schlüssel. Vom 17. bis 19. September war die Bevölkerung zu den «Tagen der offenen Tür» ins Kulturkloster Altdorf eingeladen worden.
Informationen zu den aktuellen und künftigen Angeboten und Aktivitäten im Kulturkloster Altdorf: www.kulturkloster.ch. 
Erich Herger