Dialog in Wort und Bild - Pressebericht 2

Chantal Fischer | Neue Nidwaldner Zeitung, 23.03.2005 
Maryse Bodé: Stans ist für sie ein Ort der Inspiration 

Maryse Bodé, die Nidwaldner Dichterin mit luxemburgischen Wurzeln, hat im November 2004 ihr neuestes Werk herausgebracht. «Komm mir auf die Spur» entstand in Zusammenarbeit mit der Malerin Anne-Christine Kalbermatten-Walch aus Vitznau. Das Buch zeigt einen Dialog in Text und Bild auf, der von gegenseitiger Inspiration lebt. Das «Miteinander im Gespräch sein, unterwegs sein, auch wenn man sich selten sieht» zieht sich als roter Faden durch das gemeinsame Buchprojekt, welches von der Kulturkommission des Kantons Nidwalden unterstützt wurde.
Seit Jahren fliesst die Kreativität der 56-jährigen Dichterin immer wieder neu in Projekte mit Kunstschaffenden aus den Bereichen Musik, Bildhauerei, Malerei.

Die Leere danach
Nach jedem abgeschlossenen Projekt fühlt sie eine Art Leere, in die sich dann aber meist ein enormes Potenzial an Kreativität senkt. So auch nach der Herausgabe von «Komm mir auf die Spur». «Dieser Dialog zwischen mir und Anne-Christine war so magisch, so intensiv, solange er nicht veröffentlicht wurde. Nun ist er geerdet und hat sich auf eine neue Ebene begeben.» Das Erwachen auf anderer Ebene hat sich bei Maryse Bodé in erneuten Schreibstürmen geäussert, die sehr intensiv sind und sich möglicherweise bald in einem neuen Werk niederschlagen werden.

«Sich selber treu bleiben»
Maryse Bodé ist ein hartnäckiger Mensch. «Wenn ich eine Vision habe, dann bleibe ich dieser treu.» Sich selber treu zu bleiben, hat sie auch ihren drei Söhnen nahe gelegt. Die offene und eher unkonventionelle Frau pflegt ein gutes, kollegiales Verhältnis zu ihnen.
Auch wenn sie teilweise in ihre eigene spirituelle Welt abschweift, wirkt Maryse Bodé nie abgehoben und unnahbar. Im Gegenteil: Als ihr jüngster Sohn vorbeischaut, tritt ihre mütterliche, fürsorgliche Art ans Tageslicht. Der Alltag ist es dann auch, der bewirkt, dass die Künstlerin mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht.
Ihre Texte sieht sie als «vorübergehenden Wohnraum», der in seiner Essenz im Hinterkopf immer präsent ist, so lange, bis sie das Werk vollendet. «Da kommt es schon mal vor, dass mir beim Kochen für die Familie etwas einfällt und dann überall Zettel mit Textpassagen herumliegen.»

Die andere Seite
Maryse Bodé wirkt sehr ausgeglichen. Innere Harmonie ist ihr wichtig. Auch bei negativen Erfahrungen oder schlechter Kritik entwickelt sich in ihr eine Art Gegenkraft, die es schafft, diese Harmonie aufrechtzuerhalten.
Doch in ihr schlummert auch eine andere Seite. Wenn es um Ungerechtigkeiten geht, erwacht in ihr eine kämpferische Natur. «In mir ist ein grosser Sturm, ich muss mich oft bremsen, gerade wenn es zum Beispiel darum geht, dass etwas im Schulsystem meiner Söhne nicht stimmt.»
Diese Eigenschaft wurde stark von den Erlebnissen ihrer Mutter geprägt, die während des Zweiten Weltkrieges in der Résistance luxemburgische Soldaten aufgenommen und vom Einzug in den Krieg unter Hitler bewahrt hat.

Nicht die Welt verändern
Die Dichterin befasste sich schon als Jugendliche mit den Ungerechtigkeiten in der Welt, doch bis heute ist sie nicht auf politischer Ebene aktiv geworden. Was sie beschäftigt, gibt Stoff für neue Texte und wird in diesen verarbeitet. Ihre zeitlosen Werke erheben nicht den Anspruch, die Welt zu verändern. «Diejenigen, die meine Poesie nicht anspricht, kann ich gut akzeptieren.» Das Schreiben als Therapie einzusetzen ist für Maryse Bodé durchaus denkbar. «Die Leute könnten durch das Schreiben in ihr eigenes Potenzial, ihren Kraftkern zurückfinden.» In ihren Schreibwerkstätten will sie denn auch nicht Grammatik, sondern Substanz lehren, mit Meditation, Bewegung und Atmung als wichtigen Bestandteilen.

Kraftorte in der Natur
Inspiration für ihre Gedichte holt sich die gebürtige Luxemburgerin an allen möglichen Kraftorten. Hauptsächlich findet sie diese in der Natur, wo sie auch auf Farben und Licht als weitere Energiequellen trifft. Ausserdem gibt ihr die dauernde Auseinandersetzung mit Kunst Antrieb zu schreiben.
Ihr Zuhause in Stans ist für sie ein wesentlicher Ort der Inspiration. Hier fühlte sie sich nie als Fremde und fand vor gut 20 Jahren eine neue Heimat. Mit Blick auf die hohen Berge werden in Zukunft wohl noch einige Projekte ihren Ursprung finden. «Hier im Talkessel zwischen den grossen Bergen ist es mir möglich, die Wortgefüge so zu formen und zu kneten, bis die Essenz der Verdichtung nach Brot schmeckt.»